Eine Woche Segeln, Lernen und Teamgeist auf der Ostsee
Anfang August trafen wir uns, Carsten, Silke, Dirk, Dieter, Antje und ich (Michael), zum ersten Mal zur gemeinsamen Vorbereitung unseres Ausbildungs- und Prüfungstörns (29.08. – 05.09.2026). Carsten, der Skipper, hatte die gesamte Crew zu einem gemütlichen Grillabend eingeladen. Dort lernten wir uns besser kennen, besprachen den Ablauf der Woche, die Packliste, die Verpflegung sowie organisatorische Details rund um den Törn.
Eine besondere Idee von Carsten war, dass jedes Crewmitglied einmal sein Lieblingsgericht kochen sollte, die anderen sollten natürlich bei der Vorbereitung mithelfen. Wir fanden den Vorschlag sehr gut, es soll ja nicht immer der gleiche kochen!
Obwohl wir über unterschiedliche Segelerfahrungen verfügten, hatten wir alle die gleichen Ziele: eine schöne Woche auf dem Wasser zusammen zu verbringen, seglerisch dazuzulernen und den Prüfling erfolgreich durch die Prüfung zu bringen.
Kurz vor Törnbeginn, erreichte uns jedoch eine Nachricht von Antje. Sie hatte sich entschieden, nicht mitzukommen, da sie sich nicht in der Verfassung fühlte, den zusätzlichen Stress eines ersten Törns auf sich zu nehmen. Das fanden wir sehr schade aber konnten die Entscheidung nachvollziehen. Damit bestand die Crew aus nur mehr fünf Personen, und Silke war die einzige Frau an Bord.
Tag 1 – Anreise und Bootsübernahme
Früh am Morgen um 04:40 Uhr machten wir uns auf dem Weg Richtung Ostsee. Nach einer kurzen Pause erreichten wir gegen 11:50 Uhr die Marina in Heiligenhafen.
Nach der Ankunft übernahmen Carsten und Dirk, als Co-Skipper, unsere Yacht, die „Caru“, eine Bavaria 46 Cruiser. Währenddessen erledigte der Rest der Crew den Großeinkauf für die Woche gemäß der vorbereiteten Liste von Silke nach den ausgewählten Gerichten. Anschließend wurden die Wassertanks gefüllt, die Kabinen bezogen und das Gepäck verstaut.
Schon kurz darauf entdeckten wir Wasser in Michaels Kabine. Nach genauer Untersuchung fanden wir die Ursache: ein beschädigter Schlauch. Wir dokumentierten den Schaden und verständigten den Techniker, der sich für den nächsten Morgen ankündigte.
Am Nachmittag folgten die Sicherheitseinweisung sowie die Einteilung der wichtigsten Aufgaben an Bord. Den Tag ließen wir entspannt bei einem Fischbrötchen in der Markthalle ausklingen, bevor wir früh in die Kojen gingen.
Tag 2 – Erster Segeltag
Pünktlich um 08:00 Uhr erschien der Techniker und beseitigte die Leckage. Fast hätten wir direkt das nächste Leck produziert, wenn unsere selbst ernannte „Leckagebeauftragte“ Silke nicht rechtzeitig bemerkt hätte, dass die Kaffeemaschine überzulaufen drohte.
Nach einem gemütlichen Frühstück liefen wir bei etwa fünf Beaufort und bedecktem Himmel aus. Vor dem Ablegen wurden die Sicherheits- und Notrollen noch einmal besprochen. Das Ablegen über die Mittelklampe funktionierte auf Anhieb hervorragend.
Nach der Ansteuerungstonne setzten wir die Segel. Bereits bei den ersten Wendemanövern wurde jedoch deutlich, dass für die vollständige Besegelung zu viel Wind stand. Das Großsegel wurde geborgen und wir segelten zunächst nur unter Genua weiter. Der Wind nahm jedoch weiter zu und erreichte schließlich sechs Beaufort mit Böen bis sieben Beaufort.
Für den ersten Segeltag wollten wir nichts überstürzen. Daher entschieden wir uns, die Segel zu bergen und in den Hafen zurückzukehren. Die Entscheidung erwies sich als sinnvoll, denn so konnten wir uns zunächst entspannt mit dem Schiff vertraut machen.
Am Abend verwöhnte uns Dieter mit einem ausgezeichneten Bauerntopf.
Tag 3 – Erste längere Segelabschnitte
Nach der inzwischen eingespielten Morgenroutine mit Brötchenholen und Wetterbesprechung liefen wir erneut aus.
In der Heiligenhafener Bucht trainierten wir verschiedene Manöver wie Wenden, Halsen und Beiliegen. Für den Nachmittag war ein Gewitter angekündigt, sodass wir rechtzeitig den Rückweg antraten.
Insgesamt legten wir an diesem Tag rund 34 Seemeilen zurück. Das Wetter wurde zunehmend ungemütlich, doch wir erreichten den Hafen noch rechtzeitig bevor es anfing zu regnen. Das Anlegen gelang diesmal besonders elegant mit einer Methode, die wir uns am Vortag von unseren Nachbarn abgeschaut hatten. Stressfrei lagen wir kurze Zeit später mit dem Fieren über die Dalben wieder sicher in unserer Box.
Am Abend war ich mit dem Kochen an der Reihe und servierte Tagliatelle Bolognese. Danach genossen wir noch einige ruhige Stunden an Deck, bevor wir schlafen gingen.
Tag 4 – Mann-über-Bord und Q-Wenden
Der Tag begann mit Regen und sechs Beaufort Wind. Trotzdem machten wir uns nach dem Frühstück auf dem Weg.
Mittlerweile hatten sich das Ablegen über die Mittelklampe und das Anlegen über die Heckklampe als Standardverfahren bewährt. Auf unserem etwa 26 Seemeilen langen Trainingstag standen insbesondere Mann-über-Bord-Manöver und Q-Wenden auf dem Programm.
Die Übungen forderten die gesamte Crew, brachten aber wertvolle Sicherheit und Routine.
Zum Abendessen bereitete Silke ein hervorragendes Gulasch zu, das bei der gesamten Crew großen Anklang fand.
Tag 5 – Üben, üben, üben
Der schönste Segeltag der Woche erwartete uns mit vier Beaufort Wind und freundlichem Himmel. Perfekter Tag!!
Die guten Bedingungen nutzten wir konsequent aus. Ablegen, Anlegen, Wenden, Halsen und Mann-über-Bord-Manöver wurden immer wieder geübt. Die vielen Wiederholungen waren anstrengend, doch die Fortschritte waren deutlich spürbar.
Im Hafen zurück bereiteten wir gemeinsam einen Kartoffelsalat vor. Dirk hatte einen tragbaren Grill mitgebracht, eine echte Rarität, der am Abend zum Einsatz kam. Nach einem Appetithäppchen aus den Resten des Vortages wurde gegrillt. Gemeinsam saßen wir unter Deck und genossen einen rundum gelungenen Abend.
Tag 6 – Regenpause
Die Wettervorhersage versprach Regen und starken Wind. Deshalb entschieden wir uns bewusst gegen einen Törn und gönnten uns einen ruhigen Vormittag.
Eigentlich hatten wir geplant, am Nachmittag noch auszulaufen, zu ankern und bei Dämmerung mithilfe der Richtfeuer wieder einzulaufen. Doch das Wetter besserte sich nicht. Nach Rücksprache mit anderen Seglern bestätigte sich, dass ein Auslaufen keine gute Idee gewesen wäre.
Natürlich hätten wir lieber gesegelt, aber Sicherheit geht vor. So nutzten wir den Tag, um uns auszuruhen und Kraft für die bevorstehende Prüfung zu sammeln.
Tag 7 – Der große Tag
Die Anspannung war bei allen zu spüren. Um 09:00 Uhr holte Carsten die letzten Informationen zum Ablauf der Prüfung ein.
Zuerst waren die drei Prüflinge von der „Carina“ dran und wir sollten gegen 10:00 in der Nähe der Ansteurerungstonne warten.
Wir warteten im strömenden Regen auf unseren Einsatz. Während wir Kreise fuhren, wurden wir von mehreren Schweinswalen besucht, die um das Boot schwammen. Es war ein besonderes Erlebnis und zugleich ein gutes Omen!
Gegen 11:00 Uhr war es schließlich so weit, die zwei Prüfer kamen zu uns an Bord.
Nach den praktischen Prüfungsmanövern mit Segelsetzen, Wenden sowie Mann-über-Bord-Manövern unter Segel und Motor. Nach dem, zum Glück, gelungenen zweiten Versuch, beim Mann-über-Bord-Manöver unter Segel und Motor ging es unter Deck.
Dort folgten Fragen zu Wetterkunde, Motor und Gasanlage.
Dann kam der entscheidende Moment.
Der Prüfer sagte zu mir: „Sie haben ein gutes Grundwissen.“ Kurz darauf schickte er mich zu seiner Kollegin, die mir gratulierte und mir meinen Schein überreichte.
Bestanden!
Die Erleichterung war riesig!!! Nicht nur für mich, sondern für die gesamte Crew.
Beim Verlassen des Schiffes gab mir der Prüfer noch einen Satz mit auf den Weg:
„Sie haben jetzt den Schein zum Weiterüben.“
Nach dem Volltanken kehrten wir zum Liegeplatz zurück. Da wir alle völlig durchnässt waren, verzichteten wir auf weitere Segelstunden. Stattdessen bereiteten wir alles für die Rückgabe des Schiffes vor.
Den erfolgreichen Abschluss der Woche feierten wir gemeinsam bei einem festlichen Abendessen im Seestern-Restaurant. Die letzte Nacht war noch sehr stürmisch mit Windböen bis 35 Knoten. Zum Glück waren wir in der sicheren Marina!
Rückblick
Wir hatten nicht das perfekte Segelwetter. Regen, viel Wind und anspruchsvolle Bedingungen begleiteten uns durch einen großen Teil der Woche. Dennoch haben wir das Beste daraus gemacht.
Die Crew ist zusammengewachsen, die Crew und das Schiff blieben heil, alle Herausforderungen wurden gemeistert und die Prüfung erfolgreich bestanden.
Vor allem aber hatten wir eine großartige Woche auf der Ostsee mit viel Lernen, vielen gemeinsamen Erlebnissen und jede Menge Spaß.
Am nächsten Morgen ging es zurück Richtung Heimat. Trotz vieler Staus erreichten wir noch vor 17:00 Uhr den KCF-Parkplatz. Dort erwarteten uns Sonnenschein und angenehme 25 Grad…
Eine rundum gelungene Segelwoche!
Einen ausdrücklichen Dank an Carsten, Dirk, Silke und Dieter für die Unterstützung und die guten Ratschläge!
Michael Piardon
Crew Mitglied
Kanu-und-Segelclub Frankenthal
wettsegeln@kcf1922.de
https://www.kcf1922.de


