Dänische Südsee April 2017

Die Vorüberlegungen Ende 2016 führten in einer quasi logischen und unausweichlichen Schlussfolgerung zu der Erkenntnis: Wenn schon Ostsee, dann diesmal nicht wieder von Heiligenhafen aus, sondern von einem anderen Ausgangspunkt.
„Südsee“ klingt verlockend, „dänische Südsee“ irgendwie überaus reizvoll, und das nicht, weil wir dort „Barfusssegeln“ glaubten zu erwarten.

Das Revier stand also schon einmal fest und um es noch ein wenig spannender zu machen, sollte diesmal ein Boot mit Pinnensteuerung unser einwöchiger Begleiter sein. Die Crew, zwei alte Kumpels, kannten und schätzten sich schon von zwei voran gegangenen Zwei-Mann-Törns und von daher sollte es an der Stelle wenige Überraschungen geben.

Die Recherche zu unserem Boot wurde in Verbindung mit anderen Wünschen und Vorstellungen recht überschaubar, denn es gibt bei Booten um 10 m nur eine sehr kleine Auswahl und so sollte es die „Gambler“, eine „Feeling 32“, werden. „What a feeling?“ schoss es mir durch den Kopf – bis auf den Song aus den 90zigern als erste Analogie war auch das wieder völlig fremd… es wurde also immer interessanter – na immerhin hatte sie eine schöne Genua und nicht wie die Hanse so ein kleines Selbstwendedingsbums mit wenig Performance.

Die Anreise erfolgte am Freitag und so konnten wir unser Boot schon mal in Ruhe „beschnüffeln“ – dankenswerterweise lief der an Bord befindliche Heizlüfter schon geraume Zeit, ein angenehmer Willkommensgruß.

Tag 1
Die Übergabe wurde wie vereinbart früh am Morgen vorgenommen und anschließend im nahe gelegenen Supermarkt aufproviantiert.
Schon während wir alles an Bord verstauten, wurde uns klar, dass es Rasmus heute besonders gut mit uns meinte: Wind mit 6-7 Bft – wie vorher gesagt, blies in die Marina „Sonwik“, sowie querab zum Boot und das war uns offen gesagt am ersten Tag mit so kleiner Mannschaft zu viel. So wurde kurzerhand aus dem ersten (halben) Segeltag ein Landtag und wir erkundeten die Innenstadt von Flensburg, die rund 40 Gehminuten entfernt liegt. Wow! Was für eine Stadt – trotz widriger Wetterkapriolen konnten uns die Stadt mit ihren vielen alten und oftmals gut erhaltenen Häusern aus früheren Epochen und die Hafenkulisse absolut in ihren Bann ziehen.

Zudem MUSS an dieser Stelle unser erster Restaurantbesuch unbedingt als „heisser Tipp“ weiter gegeben werden: „Peter Pane“ heisst das Lokal und unter www.peterpane.de kann ein erster Eindruck gewonnen werden – lasst euch bitte nicht abschrecken, wenn ihr im Eingangsbereich zum Warten aufgefordert werdet, weil der Laden einfach völlig ausgebucht ist, sondern nehmt euch die Zeit, es lohnt sich!

Tag 2
Rasmus hatte ein Einsehen, wenn er es auch für unseren Geschmack wieder etwas übertrieben hat, aber wie wollen uns nicht beschweren und sind mit guter Stimmung bei wenig Wind ausgelaufen, um über die Flensburger Förde in Richtung Sonderborg zu fahren – dänische Südsee, wir kommen! Die Förde ist an sich nicht besonders aufregend, hält jedoch bei der ein oder anderen Stelle diverse Untiefen- und Kardinaltonnen parat, so dass es bei dem Schwachwind doch nicht ganz so langweilig wurde.

Kurz vor der Ausfahrt auf die freie Ostsee bemerkten wir ein großes, in vielen faszinierenden Grau- und Blautönen eingefärbtes Wolkenband, das uns vom Festland aus später einholen würde. Die Auswirkungen waren glücklicherweise sehr erträglich – dass haben wir auch schon anders erlebt!

Die Überlegung welche der zwei Optionen – Stadthafen oder moderne Marina – wir ansteuern, dauerte nicht lange an. Somit wurde der Stadthafen am Puls der Stadt angesteuert. Der Ausblick bei Sonnenuntergang hat unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt; der Umgebungslärm ist dabei sehr erträglich. Abschreckend könnten im ersten Augenblick die sanitären Anlagen wirken…

Tag 3
Die den Fahrtenseglern bekannte und immer wieder kehrende Frage stellte sich auch uns an nächsten Morgen: Wie soll es weiter gehen? Rechts um die dänische Insel Als herum oder doch links herum??

Der mäßige NNW-liche Wind würde bei der Passage des Als-Sund vermehrtes Kreuzen im schmalen Fahrwasser nötig machen. Man kann natürlich auch den „Jockel“ anwerfen aber wir wollten ja segeln (!) und so entschieden wir uns für die Komfortvariante und segelten rechts herum in Richtung Fynshav.
Die Marina Fynshav war – welch‘ Überraschung – zu dieser Jahreszeit noch sehr überschaubar belegt und so hatten wir keine Nöte, einen Platz am Gastliegersteg zu bekommen. Der Ort selber ist ein kleines aber sehr gepflegtes Örtchen: Auffällig waren die vielen grünen Vorgärten – sauber gestutzter Rasen und frisch geharkte Beete… ein anderes Bild, als das, was man oftmals aus der Heimat kennt.

Auch positiv überrascht waren wir von der Möglichkeit, sich verpflegen zu können. Während das Hafenhandbuch von „eingeschränkten Möglichkeiten“ sprach, fanden wir in angenehmer Laufentfernung einen Diskounter mit umfangreichen Angebot vor, inklusive einem Bäcker mit frischen Backwaren.
Gegen Abend bzw. in der Nacht frischte der Wind wieder deutlich auf (6-7 Bft), so dass wir am folgenden…

Tag 4
…eine 1a Legerwall Situation wie aus dem Lehrbuch vorfanden: Auflandiger Wind (etwas abgeschwächt, auf 4-5 Bft) und ordentlich Fetsch haben uns dann früh am Tag zu ersten Vorüberlegungen bezüglich des Ablegens und Ausfahrens angeregt.
Schlussendlich entschieden wir uns, rückwärts aus der Marina zu fahren – was dann folgte, kann man schlecht in Worte fassen und auch die mitlaufende Action-Cam gibt das Erlebte nicht so recht wieder… man muss das mal selber erlebt haben.

Nachdem die Molenköpfe mit Bug voraus passiert wurden, durften die Vorbereitungen für das Großsegel setzen mit Lifebelt umgesetzt werden – der Skipper wollte partou keine Spezial Vor-Hafenkino Einlage riskieren.
Der Rest der Reise war einfach nur ein herrlich schöner Ritt bei prima Segelwind und vorwiegend Raumschotkursen.
Das änderte sich am nördlichen Zipfel von Als, denn der sollte auf unserem Weg zum nächsten Ziel gerundet werden, also doch wieder hoch an den Wind…

Was anschließend folgte, war eines meiner persönlichen Highligts auf unserer Reise: Die Einfahrt zu Dyvig!
Ein Blick in die Karten, bzw. ins Hafenhandbuch verriet uns, dass man hier durchaus gewissenhafter manövrieren durfte. Somit wurden die Segel rechtzeitig geborgen, denn der zeitweise doch recht bockige Wind wollte genau an der engsten Stelle so gar nicht zum notwendigen Kurs passen.

Kurz vor dem Anlegemanöver an einem großzügig bemessenen Steg wurde uns von deutschen Seglern zugerufen, dass gleich noch eine 30 Meter Yacht kommen wird, somit haben wir selbstredend umdisponiert und sind in einem Zug rückwärts in eine benachbarte Box gezogen… wieder nix mit Hafenkino.

Aber wie soll eigentlich bei der schmalen und engen Einfahrt eine 30 Meter Yacht rein kommen?? Die hat doch bestimmt einen ordentlichen Tiefgang…!
Die Antwort sollte nicht lange auf sich warten lassen: Ein holländischen Plattbowdenschiff kam, und zirkelte sich an den frei gelassenen Steg, und das mit einer Ruhe und Gelassenheit… klasse!

Dyvig selber ist sehr ruhig gelegen – oder mit anderen Worten: Hier ist der dänische Hund begraben! … aber sehr idyllisch begraben möchte ich feststellen.

Ausser einem Hotel mit Gastronomie, einem ansässigen Segelverein gibt es noch einen dänischen Vercharterer, der rund 10 Segelschiffe unterschiedlicher Größe zum Charter feil bietet; eine interessante Alternative zu Flensburg, da man doch direkt in der „Südsee“ startet, und die zusätzliche Entfernung von Flensburg aus beträgt nur 77 km. (http://yachtcharterdanemark.de – nein, ich bekomme hier keine Provision 😉 )

Die vorhandenen Sanitäranlagen sind übrigens tippitoppi…

Tag 5
Dyvig hat uns definitiv tiefenentspannt: das Wetter, die Atmosphäre, die Landschaft… alles hat zusammen gepasst und somit sind wir bei ruhigem Wetter wieder raus, Richtung unserem leider letzten Ziel vor der Heimfahrt: Horuphav.
Die Fahrt dorthin verlief ruhig und routiniert: Mal musste eine Fähre beachtet werden (wer hatte nochmal Vorfahrt??) mal eine bewegliche Brücke in Sonderborg passiert werden.

Horuphav ist auch eine kleine beschauliche Gemeinde mit ebenso guten Einkaufsmöglichkeiten wie in Fynshav und einem regelrechten Luxus-Spa. Auch sehr nett war eine direkt an der Mole erbaute Holzplattform mit integriertem Windschutz und rustikalen Tisch-Sitzbank-Kombinationen – ein idealer Platz um das Anlegerbier bei Sonnenuntergang zu genießen.


Tag 6
Die Windvorhersage für diesen Tag war wieder perfekt und so haben wir wieder mit anfangs 3, später 4 und ab Fördeneinfahrt wieder soliden 5 Bft einen Heidenspaß gehabt uns mit anderen Segler auf der Förde „zu messen“: Wer konnte höher an den Wind, die Böen bessern aussteuern, schneller Strecke machen?
Besonders ein Boot hatte scheinbar im Laufe der Kreuzschläge immer mehr Ambitionen, noch mehr aus der eigenen Yacht zu holen, sich nicht einholen zu lassen und so kam eindeutig Regattafeeling auf.

Wir holten die Yacht immer mehr ein, waren schon im Kielwasser nur noch 6 Bootslängen entfernt und da passierte das Unglück: Beim Wendemanöver verhakelte sich eine stark schlagende Genuaschot an einer Klampe am Mast und wollte sich partout nicht selber enttüdeln…wir verloren mächtig an Fahrt und mussten die Situation letztendlich unter beherztem Motoreinsatz gegen den Wind fahrend lösen… und die anderen zogen an uns vorbei. An dieser Stelle viele Grüße an die unbekannte Crew der Marine (Hanseat 70 MK III, GER 2826).

Tag 7
wurde leider nicht mehr segelnd verbracht, denn erneut wurde Starkwind vorhergesagt und trat bedauerlicherweise auch ein – hatten wir Rasmus zu wenig gehuldigt… oder zu viel?? Wir wissen es nicht, dennoch konnte uns Flensburg, die Flensburger Museumswerft (http://www.museumswerft.de), die hierzu nahe gelegene Fischbude („Ben’s Fischhütte“ – hingehen!!) und auch „Peter Pane“ darüber hinweg trösten. Letztendlich stellen wir zufrieden fest: Die dänische Südsee ist eine schöne Ecke und wir haben längst nicht alles gesehen.

Wer jetzt noch nicht genug vom doch länger geratenen Bericht hat, kann sich noch die dazugehörigen bewegten Bilder anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=_a0dqQ4aG9I

Viel Spaß dabei!

Michael Eilers