Paddeln im Mai


Fast Winter am Lech – Häselgehr
Mitte Mai, sattelten wir nicht die Pferde, sondern mein „Busle“ mit sage und schreibe vier Kajaks, einem Kanadier und allem was zum Camping gebraucht wird.
So beladen fuhren wir frohen Mutes an den Lech – Campingplatz Häselgehr. Wir, sind Bärbel und ich, drei Tage später folgten noch Klaus und Eddi, alle drei vom KC Speyer.
Davor machten wir allerdings noch einen kleinen Abstecher. In einem Baumarkt suchten wir uns Teile zusammen, um eine Sitzaufhängung für meinen Kanadier zu improvisieren, nach dem die gekauften, gebrauchten Schrauben nicht lang genug waren und dazu noch verbogen.
Schon auf der Hinfahrt kamen wir in einen Gewittersturm mit Hagel, so heftig, dass die ganze Autobahn „schneeweiß“ vor uns lag. Die Boote waren zum Glück super gut verzurrt und hielten den Sturmböen stand.
Nur wir kämpften heftig, mit dem plötzlichen, seitlichen versetzen des Autos. Nichts desto trotz kamen wir Stunden später, glücklich in Häselgehr an. Ruckizucki stand unser Tipi und da es uns doch ziemlich kalt war, fuhren wir zum Essen und Aufwärmen in den nächsten Ort.


Am nächsten Morgen hörte es pünktlich zum aufstehen auf zu regnen. Meine Sitzaufhängung konnte ich unter einer wärmenden Sonne anpassen und für das Tarp aufzubauen reichte diese auch noch. Anschließend fuhren wir das Lechtal hinauf, um unter anderem eine gute Einsatzstelle zu finden und uns den Bach anzuschauen, was er uns so an Schwierigkeiten bieten würde.
Zufrieden mit dem was wir sahen, machten wir noch eine kleine Sightseeing Tour mit Abstechern in Holzschnitzer Geschäfte und Käserei.
Im Regen trudelten wir wieder im Camp ein. Kochten unser Abendessen und machten einen kleinen Abendspaziergang, bevor's in die Schlafsäcke ging.
Es war zwar nicht das Wetter, welches man sich zum paddeln auf einem Gebirgsbach wünscht, aber es war immerhin noch trocken, wie wir ablegten. Hi, war das ein Spass. Sehr spritzig, fordernd und anspruchsvoll für einen offenen Kanadier und seiner Besatzung, die seit über einem Jahr kein Wildwasser mehr gepaddelt ist. Wir waren mächtig stolz auf uns, relativ wenig Wasser aufnehmend,
kamen wir bibbernd beim Campingplatz an.
Hier wurden wir von unseren beiden „Männern“ herzlich begrüßt, die mittlerweile auch eingetroffen waren. Ah, nach einer richtig schönen heißen Dusche ging es uns auch wieder besser.


Übrigens hielt meine kostengünstige Sitzaufhängung bombenfest. Bis heute noch, wenn's auch etwas gewohnheitsbedürftig aussieht.
Den Tag ließen wir dann im „warmen“ Wohnwagen der beiden Herren ausklingen.
Die zweite Paddelrunde ging von unserem Platz los. Gerhard und Thomas waren kurz entschlossen ebenfalls zu uns gestoßen und so ging's mit 4 Kajak's und einem Tandemkanadier, den etwas leichteren Teil des Lechs abwärts. Hui, war richtiges Genusspaddeln, nachdem Klaus und ich eine gemeinsame Paddelsprache gefunden hatten.
Auch das entleeren des Kanadier mit „Schwappwasser“ hielt sich in Grenzen.
Nur ein einziges Mal wollte ich mir eine Stelle vor dem befahren anschauen und „das war gut so“. Wir wären ziemlich baden gegangen ohne eine Persening. So umtrugen wir dieses Schwallstück mehr oder weniger trocken bleibend.
Beim Abendessen in einem Restaurant, erwärmten wir uns von innen (essenstechnisch) und außen (geschlossener beheizter Raum), dazu noch Bauchgymnastik mittels vielen Lachattacken.
Ja, so kaa mas han.


Am nächsten Tag ist Autorumfahrtour angesagt. Die Schneefallgrenze liegt kaum 200 Meter über uns und zum paddeln ist's uns definitiv zu frisch, Nacht‘s hatten wir knapp 5°C.Wir fuhren rüber ins Inntal, abbiegend zur Ötz.
Zuerst aber mussten wir den schneebedeckten Pass mit Sommerreifen überwinden. Dafür hatten wir aber auf der anderen Seite tatsächlich viel wärmer und etwas besseres Wetter. An der Ötz spazierten wir ne ganze Strecke entlang, stärkten uns in einem Lokal mit Kaminfeuer, bevor wir über Zürs und Lech/Arlberg wieder nach Häselgehr zurückfuhren. Dabei kam ich nicht darüber hinweg, wie „Tot“ Zürs im Sommer ist. Kein einziges Lebenszeichen im Ort war zu erkennen. Erschreckend.
Am nächsten Tag fuhren die Speyerer noch einmal den Lech von oben runter. Da mich Migräne quälte, blieb ich an Land. Daher konnte auch Klaus nicht mit paddeln und so spielten wir zu dritt ( Eddi, Klaus und ich) Shuttlebunny für unsere Paddlergruppe. Es war richtig nieseliges kaltes Wetter, die drei stiegen bibbernd und durchgefroren am Zeltplatz aus. Dank heißer Dusche und Kaffee ging's ihnen kurze Zeit später wieder gut. Den letzten gemeinsamen Abend beendeten wir in einem gemütlichen Lokal bei …..., ne natürlich nicht bei Wasser und Brot.Grins!!
Kaum zu glauben aber war, als wir im nassen unser Lager abgebaut hatten, lugte die Sonne zwischen den Wolken hervor. Ganz so, als ob sie sich vergewissern wollte, dass wir endlich oder tatsächlich abfahren. Aber wir sehnten uns nach ein bisschen Wärme und daher mußte sie sich keine sorgen machen, dass wir wieder auspacken würden.
Hurra, kurz vor dem Brenner kletterte das Thermometer kontinuierlich auf 20°C. Bärbel ließ einen Freudenschrei aus, dass ich fast in die Leitplanken gefahren wäre.
Tja was soll ich schreiben. Nach Stunden erreichten wir unseren schnuckeligen und schattigen Zeltplatz - Camping Venezia - in Mestre, mit dem öffentl. Bus eine halbe Stunde von Venedig entfernt.
Ah, was für eine Wohltat. Wußte gar nicht mehr wie angenehm Sonnenwärme sein kann.


Hochsommer in Venedig - Mestre
Die ersten Tage ließen wir gemütlich angehen. Mit Venedig erkunden, ganz nach Touri - Art, backen eines Kuchens, erkunden der Örtlichkeiten, wo und wie die Regatta Vogalonga stattfindet und uns registrieren lassen.
Für knapp 50 Cent, anstelle 80 und mehr Euro für die Rundfahrt für Touristen, sind wir zu einer Gondelfahrt gekommen. Wie?, einfach einen Kanalarm mittels einer Fährgondel überqueren und je nach gusto kann dies mehrmals der Fall sein. Dank den motorisierten Wassertaxis, besuchten wir die verschiedenen Stadteile und Inseln von Venedig: wie den Lido, die Inseln Burano und Murano und erfreuten uns u.a. an den Glasereien, mit ihren herrlichen Auslagen und den hübschen bunten Häusern sowie kleinen Kanälen.
Überhaupt war ich von Venedig total begeistert. Ich hätte nie gedacht, dass mir eine Stadt im Süden so gut gefallen kann. Sobald wir uns außerhalb der Touristenströme bewegten, erschloss uns eine ruhige idyllische Stadt. Allerdings war es mir mit fast 30°C definitiv zu warm. Was für ein Kontrast zu den Tagen davor. Noch am Abend vor der Regatta hätte ich am liebsten alles abgeblasen, mir graute vor den Massen an Booten und Menschen und ganz besonders vor der Hitze, noch dazu wo ich die letzten beiden Tage wieder mit einer Migräne u kämpfen hatte.


Nichts desto trotz waren wir am darauf folgenden Tag schon um 7.00 Uhr am Einstieg und kurz darauf auf dem Wasser. Insgesamt hatte sich eine Gruppe von gut 14 Paddlern vom Bodensee und Rhein gebildet. Zusammen starteten wir die Vogalonga, zuerst mit einem Cafe und ab 9.00 Uhr splittete sich die Runde zur Befahrung der Vogalonga auf.
Bärbel, Klaus und ich hielten uns im hinteren Part, der circa 1600 Boote und fast 5500 Paddlern auf. Es war ein gigantischer Anblick und auch Gefühl, mitten in diesem Spektakel zu stecken.
Alle Bootsgattungen waren vertreten um die 30 Kilometer Strecke zu bewältigen: Angefangen von Spielboote, Wanderkajaks, über Faltboote, Eski, Kanadier, Ruderboote jeglicher Bauweise und Besatzung (manche erinnerten eher an Galeeren, so massiv waren sie gebaut und die Ruderer taten sich verflixt schwer), ganz zu schweigen von den traditionellen Gondolieren. Sogar Frauen starteten in diesen. Dabei war ich der Meinung, dies wäre eine reine Männerdomäne!!!


Ganz so easy war es allerdings nicht, auf den zum Teil engen Kanälen, den anstürmenden Booten auszuweichen. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß machen würde, in diesem Getümmel und Gewimmel. Nach etwa 2/3 der Strecke pausierten wir auf der Insel Murano. Zuerst gab‘s leckeres Eis, danach Cafe. Mir war es endlich etwas kühler im Innern meines Körpers und daher aß ich lieber noch zwei Kugeln Eis, als mich mit einem Cafe wieder aufzuwärmen. So gestärkt starteten wir dir letzten Kilometer bis zum Ziel. Eben an diesem, wurden wir sogar per Lautsprecher den Zuschauern vorgestellt und begrüßt, dazu gab‘s Getränke und eine Care - Banane.


Gegen 15.30 Uhr waren wir glücklich am verabredeten Treffpunkt in einer Taverne und tauschten unsere Erlebnisse des Tages aus. Jeder von uns hatte seine eigenen gemacht, in Bezug auf Ausweichmanöver, Eindrücke und Beobachtungen auf und neben dem Wasser.
Gegen 17.00 Uhr ging's zurück auf's Wasser und da wurde es erst richtig lustig. Mei, war ich froh, dass wir „Wellenerfahrung“ durchs paddeln auf unserem „PAPA“ Rhein hatten. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen und mein Boot hin steuern sollte. Ab 16.00 Uhr war nämlich wieder voller Bootsbetrieb auf den Kanälen und einer Autobahn gleich düsten diese auch kreuz und quer über die Wasserstrasse. Hui, im nach hinein hatte dies am meisten Fun gebracht. Allerdings war ich und die anderen richtig glücklich, wieder am Ausgangspunkt unseres Tages, ohne Bootskenterung und Schaden, angekommen zu sein.


Die Boote und alles wieder in die Autos auf und eingeladen ging recht schnell. Am Zeltplatz zurück, genossen wir den kühlen Schatten unter den Bäumen, das gemeinsam gestaltete Abendessen und das wir so Glück mit dem Tag und der Regatta hatten.
Das das Wetter immer so toll mitspielt ist nicht immer selbstverständlich, es gab eine Regatta in den letzten Jahren, wo richtig der Punk abging. Es war wohl so stürmisch mit heftigem Wellengang, dass es Massen an Kenterungen gab und die Rettungsbootbesatzungen allerhand zu tun hatten die Teilnehmer sicher an Land zu bringen.


Zwei Tage später bauten wir unser Lager ab, da der Urlaub dem Ende zuging. So zogen wir mit reichlichen Erinnerungen, gen Heimat ab. Mit einer Zwischenübernachtung am Brenner kamen wir wohlbehalten wieder in der PALZ an und der Alltag holte uns Ruckizucki ein.
Claudia

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